Gelesen: Angst

Buchumschlag: "Angst" von Sefan Zweig. ISBN 9783730604779

 

 

Autor: Stefan Zweig

Hardcover: 96 Seiten

Verlag: Anaconda

Auflage: 1 (2017)

ISBN-13: 9783730604779

Preis: 3,95 EUR

 

Darum geht‘s

Irene Wagner ist glücklich verheiratet, hat zwei wunderbare Kinder und ist Teil des bürgerlichen Milieus. Dennoch lässt sie sich auf eine Affäre ein. Durch das Wechselspiel zwischen prickelnder Lust und der Angst entdeckt werden zu können, fühlt sie sich lebendig. Zumindest solange, bis sie erpresst wird. Plötzlich fühlt sie sich verfolgt und beobachtet. Selbst in ihren eigenen vier Wänden scheint sie nicht mehr sicher. Ist ihr bisheriges Leben bald ein Scherbenhaufen?

Umsetzung

Die Geschichte wird aus Irene Wagners Sicht erzählt. Gerade dadurch, dass der Leser die Welt durch ihre Augen wahrnimmt und Teil hat an ihren Gedanken, fühlte ich mich mit der Figur und ihrem stetig zunehmendem Leiden verbunden.

Er blieb stehen mit seiner noch flehend ausgestreckten Hand, ratlos und durchschauert, bis das Geschiebe der Straße ihn fasste und fortschob wie die Strömung ein sinkendes Blatt, das taumelnd und kreisend sich wehrt und schließlich doch willenlos weggeschwemmt wird.

Stefan Zweig: Angst, 2017, Seite 52

Stefan Zweig schreibt anschaulich. Ich hatte immer wieder Bilder vor Augen, während ich gelesen habe. Auch schafft er es regelmäßig originelle Vergleiche für Situationen zu finden.

Im Vergleich zu anderen Geschichten enthält diese Novelle nur wenige Dialoge. Doch gerade dies macht die Lektüre reizvoll. Irene redet mit niemandem über ihre Situation und so verstrickt sie sich immer weiter in ihrem Gedankenkarussell aus Angst und Verdächtigungen, aus dem es kein Entkommen gibt.

Stefan Zweig beschäftigt sich in seiner Novelle auch mit dem Bürgertum. Dieses scheint sich nur um sich selbst zu drehen und nur wenig Nutzen für die Gesellschaft zu haben. Gerade die nach außen getragene Eleganz dient mehr dazu, die eigene Inhaltsleere zu überdecken. In Irenes Fall ist es gerade diese Leere, die mit Überfluss einhergeht, welche sie in ihre Affäre getrieben hat.

Sie nahm jeden Blick, den ihr die Gasse zusprengte, hastig mit im Vorüberschreiten, und der unerwartete Erfolg vieler solcher männlicher Lockungen reizte ihre Neugier nach dem eigenen Gesicht so sehr, dass sie plötzlich vor dem Spiegel an der Auslage einer Blumenhandlung stehen blieb, um im Rahmen roter Rosen und tauglitzernder Veilchen ihre eigene Schönheit zu sehen.

Stefan Zweig: Angst, 2017, Seite 23

Dieser Satz besteht aus 56 Wörtern. Es ist leider nicht der einzige Bandwurmsatz in dieser Novelle. Immer wieder war ich gezwungen solche Sätze zwei- oder dreimal zu lesen, um alle Informationen aufzunehmen. Das brachte mich aus meinem Lesefluss.

Das Ende war enttäuschend. Die Auflösung hat mich überrascht, auch wenn sie angedeutet wird. Dennoch kommt die Wendung zu abrupt, die Erklärungen zu kurz und die Katharsis von Irene ist meiner Meinung nach unvollständig.

Und hier die Kurzzusammenfassung

  • Bildhafte Sprache
  • Emotionale Nähe zu Irene
  • Bandwurmsätze
  • Ende nicht überzeugend

Meine Meinung

Die Novelle „Angst“ von Stefan Zweig hat mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Auf der einen Seite fühle ich mich Irene Wagner sehr nah. Die Angstspirale dreht sich unaufhaltsam weiter und mit jeder Seite wird ihre Verzweiflung größer. Andererseits wird der Lesefluss durch immer wiederkehrende Bandwurmsätze gestört. Darüber hinaus finde ich das Ende zu abrupt und nicht ganz überzeugend.

3 von 5 Sternen

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Auf der Verlagsseite könnt ihr einen Blick in die Novelle „Angst“ von Stefan Zweig werfen und sie bestellen. Das Buch gibt es natürlich auch beim Buchhändler eures Vertrauens.

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Ich habe dieses Buch gekauft.

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